Der Brocken ruft!
Für das Wochenende 4. und 5. Februar waren sich die Wetterberichte nicht ganz einig. Von zwei Tagen Hochnebel bis mehr als zehn Sonnenstunden für die beiden Tage war alles im Angebot. Leider lässt sich das Wetter am Brocken nicht wirklich vorhersagen, somit bleibt dem Eisenbahnfreund nichts anderes übrig als hinzufahren und sich das Ganze vorort anzusehen.
Genau das haben wir gemacht! Samstag (ziemlich) früh habe ich mich mit Joachim aus Erlangen und mit Ralf aus Lübeck um 8 Uhr in Schierke verabredet. Trotz moderner Automobil Technik war das nicht ganz so einfach, wir hatten uns nur ca. 10 Minuten in Schierke verspätet, Ralf hatte es schlimmer erwischt, er hatte immer wieder “Motor-Aussetzer”. Anscheinend kam sein Diesel nicht mit den eisigen Temperaturen von unter -20°C klar – wir hatten mit unserem Benziner mehr Glück. Somit vereinbarten wir nach ein paar Handy-Gesprächen, dass Joachim und ich schon ein den Weg zum Gipfel in Angriff nehmen würden.
Auch das Wetter war am Samstag recht enttäuschend – zwar zeigten sich beim Aufstieg immer wieder Wolkenlücken. Aber kurz vorm Gipfel war klar, dass wir uns direkt in den Wolken befinden würden. So hatten wir ein erstes Beweisfoto des ersten Zug auf Höhe des Goethewegs geschossen, aber es war eine ziemlich dunkle Angelegenheit.
Wir beschlossen die restlichen Meter zum Gipfel zu laufen und testeten zuerst einmal die gastronomischen Qualitäten des Brockenwirts. Ein warmes Getränk tat uns beiden gut. Inzwischen hatte die Werkstatt Ralfs Auto wieder zum Laufen verholfen und er befand sich ebenso auf dem Weg zum Gipfel, was er uns direkt per Handy mitteilte. Mit der Information, dass zusätzlich zu den fünf Planzügen noch mindestens ein Sonderzug eingelegt wurde, schaffte es Ralf, dass wir aus der warmen Stube zurück in das Brocken-Standard-Schlechtwetter begaben.
Über das nächste Foto bin ich trotz des schlechten Wetters sehr froh: die schwarz-weiß Version des Zugs mit Lok 99 7232 in der Brockenspirale zeigt die typische Schneelandschaft mit einer Dampfwolke, sie sich in einem schön-geschwungenen Bogen über die Landschaft und Zug legte. Trotzdem mochte sich das Wetter erstmal nicht bessern, die Wolkendecke riss nicht auf. Inzwischen zu dritt beschlossen wir, dass wir nicht wie geplant auf den letzten Zug am Gipfel warten würden, sondern zu Fuß auch wieder den Abstieg in Angriff nehmen würden. Über die Brockenstraße und die “Abkürzung” machten wir uns den Rückweg.
Je weiter wir kamen, und wir hätten unser komplettes Bargeld dagegen gewettet, desto besser wurde das Wetter. Die Wolkendecke lockerte mehr und mehr auf und immer mehr kam die Sonne zum Vorschein. Wir waren fast an der ehemaligen Rodelbahn angekommen, da kam mir in den Sinn, dass es noch einen Fotopunkt mit einer schönen offenen Stelle gab, die womöglich noch schön in Abendlicht für den letzten Zug lag. Wir zweigten von unserem geplanten Weg in Richtung Eckerlockstieg ab. In dieser Richtung quert die Brockenbahn die Brockenstraße und direkt dahinter befindet sich ein längeres steigungsreiches Stück, das tatsächlich wunderbar im Abendlicht lag. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir allerdings nicht, dass der letzte Zug eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde haben würde. Damit wurde es zu einer Zitterpartie, was früher eintreffen würde: der Zug dampft vorbei oder die Sonne verschwindet hinter einem Bergrücken. Diesmal sollte das Glück auf unserer Seite sein: keine zwei Minuten vor Sonnenuntergang dampfte 99 7237 mit einer wunderbaren Dampffahne an uns vorbei – das erste Sonnenfoto war im Kasten!
Jetzt hiess es aber los, denn die Sonne war untergegangen und es wurde schnell dunkler und genauso schnell fielen die Temperaturen weiter in den Keller. Wir wählten zur Sicherheit die Brockenstraße nach Schierke, obwohl das der längste Weg war. Nach ein paar Kilometern waren wir an unseren Autos in Schierke angekommen und fuhren nach Zorge, wo wir unser Quartier gebucht hatten. Wir freuten uns bereits auf ein warmes Abendessen und ein oder zwei kühle Bierchen dazu! Verdient hatten wir uns das allemal.
99 7237-3 mit dem ersten Zug des Tages auf den Brocken. An einem freien Abschnitt des Goethewegs eröffnet sich der Blick auf den Brocken mit der Brockenantenne.
Diesmal sollte es tatsächlich klappen! Das ist ein fantastisches Erlebnis, wenn die schwer arbeitende Lok eine vom Abendlicht rötlich gefärbte Dampfwolke in den Himmel zaubert. Mit wunderbaren Erinnerungen an diesen Tag kann man sich dann in den geheizten Zug setzen und gemütlich die Fahrt ins Tal geniessen und das taten wir auch…

99 7238-1 mit dem letzten Zug des Tages in der Kurve kurz vor dem Brockenbahnhof im Licht der untergehenden Sonne.
Unsere Pension in Zorge war übrigens das Hotel Pension Cafe Wolfsbach (http://www.hotel-wolfsbach.de), das wir uneingeschränkt weiterempfehlen können!








