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Der Brocken ruft!

19 März 2012 geschrieben von Kein Kommentar
99 7232-4 in der Brockenspirale mit enormer Dampffahne.

99 7232-4 in der Brockenspirale mit enormer Dampffahne.

Für das Wochenende 4. und 5. Februar waren sich die Wetterberichte nicht ganz einig. Von zwei Tagen Hochnebel bis mehr als zehn Sonnenstunden für die beiden Tage war alles im Angebot. Leider lässt sich das Wetter am Brocken nicht wirklich vorhersagen, somit bleibt dem Eisenbahnfreund nichts anderes übrig als hinzufahren und sich das Ganze vorort anzusehen.

Genau das haben wir gemacht! Samstag (ziemlich) früh habe ich mich mit Joachim aus Erlangen und mit Ralf aus Lübeck um 8 Uhr in Schierke verabredet. Trotz moderner Automobil Technik war das nicht ganz so einfach, wir hatten uns nur ca. 10 Minuten in Schierke verspätet, Ralf hatte es schlimmer erwischt, er hatte immer wieder “Motor-Aussetzer”. Anscheinend kam sein Diesel nicht mit den eisigen Temperaturen von unter -20°C klar – wir hatten mit unserem Benziner mehr Glück. Somit vereinbarten wir nach ein paar Handy-Gesprächen, dass Joachim und ich schon ein den Weg zum Gipfel in Angriff nehmen würden.

Auch das Wetter war am Samstag recht enttäuschend – zwar zeigten sich beim Aufstieg immer wieder Wolkenlücken. Aber kurz vorm Gipfel war klar, dass wir uns direkt in den Wolken befinden würden. So hatten wir ein erstes Beweisfoto des ersten Zug auf Höhe des Goethewegs geschossen, aber es war eine ziemlich dunkle Angelegenheit.

Wir beschlossen die restlichen Meter zum Gipfel zu laufen und testeten zuerst einmal die gastronomischen Qualitäten des Brockenwirts. Ein warmes Getränk tat uns beiden gut. Inzwischen hatte die Werkstatt Ralfs Auto wieder zum Laufen verholfen und er befand sich ebenso auf dem Weg zum Gipfel, was er uns direkt per Handy mitteilte. Mit der Information, dass zusätzlich zu den fünf Planzügen noch mindestens ein Sonderzug eingelegt wurde, schaffte es Ralf, dass wir aus der warmen Stube zurück in das Brocken-Standard-Schlechtwetter begaben.

Über das nächste Foto bin ich trotz des schlechten Wetters sehr froh: die schwarz-weiß Version des Zugs mit Lok 99 7232 in der Brockenspirale zeigt die typische Schneelandschaft mit einer Dampfwolke, sie sich in einem schön-geschwungenen Bogen über die Landschaft und Zug legte. Trotzdem mochte sich das Wetter erstmal nicht bessern, die Wolkendecke riss nicht auf. Inzwischen zu dritt beschlossen wir, dass wir nicht wie geplant auf den letzten Zug am Gipfel warten würden, sondern zu Fuß auch wieder den Abstieg in Angriff nehmen würden. Über die Brockenstraße und die “Abkürzung” machten wir uns den Rückweg.

Je weiter wir kamen, und wir hätten unser komplettes Bargeld dagegen gewettet, desto besser wurde das Wetter. Die Wolkendecke lockerte mehr und mehr auf und immer mehr kam die Sonne zum Vorschein. Wir waren fast an der ehemaligen Rodelbahn angekommen, da kam mir in den Sinn, dass es noch einen Fotopunkt mit einer schönen offenen Stelle gab, die womöglich noch schön in Abendlicht für den letzten Zug lag. Wir zweigten von unserem geplanten Weg in Richtung Eckerlockstieg ab. In dieser Richtung quert die Brockenbahn die Brockenstraße und direkt dahinter befindet sich ein längeres steigungsreiches Stück, das tatsächlich wunderbar im Abendlicht lag. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir allerdings nicht, dass der letzte Zug eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde haben würde. Damit wurde es zu einer Zitterpartie, was früher eintreffen würde: der Zug dampft vorbei oder die Sonne verschwindet hinter einem Bergrücken. Diesmal sollte das Glück auf unserer Seite sein: keine zwei Minuten vor Sonnenuntergang dampfte 99 7237 mit einer wunderbaren Dampffahne an uns vorbei – das erste Sonnenfoto war im Kasten!

99 7237-3 mit dem letzten Zug auf den Brocken beim unteren Bahnübergang Brockenstraße.

99 7237-3 mit dem letzten Zug auf den Brocken beim unteren Bahnübergang Brockenstraße.

Jetzt hiess es aber los, denn die Sonne war untergegangen und es wurde schnell dunkler und genauso schnell fielen die Temperaturen weiter in den Keller. Wir wählten zur Sicherheit die Brockenstraße nach Schierke, obwohl das der längste Weg war. Nach ein paar Kilometern waren wir an unseren Autos in Schierke angekommen und fuhren nach Zorge, wo wir unser Quartier gebucht hatten. Wir freuten uns bereits auf ein warmes Abendessen und ein oder zwei kühle Bierchen dazu! Verdient hatten wir uns das allemal.

99 7237-3 mit dem ersten Zug des Tages auf den Brocken. Auf Höhe Goetheweg ist das Foto entstanden.

99 7237-3 mit dem ersten Zug des Tages auf den Brocken. Auf Höhe Goetheweg ist das Foto entstanden.

99 7237-3 mit dem ersten Zug des Tages auf den Brocken. An einem freien Abschnitt des Goethewegs eröffnet sich der Blick auf den Brocken mit der Brockenantenne.

99 7237-3 mit dem ersten Zug des Tages auf den Brocken. An einem freien Abschnitt des Goethewegs eröffnet sich der Blick auf den Brocken mit der Brockenantenne.

Am nächsten Morgen nach einem frühen Frühstück (vielen Dank an unsere Pension, die extra für uns das Frühstück am Sonntag etwas früher bereitet hatten) fuhren wir wieder zurück nach Schierke. Diesmal war es genau umgekehrt. In Zorge war es noch bedeckt und direkt am Rand zum Brocken kam klarer Himmel zum Vorschein. Mit einer gehörigen Portion Motivation in den Beinen erklommen wir wieder die ca. 7-8 Kilometer bergaufwärts. Geplant hatten wir ein Foto vom Goetheweg aus auf den ersten bergfahrenden Zug mit einem zweiten Foto vom Goetheweg aus in Richtung Brockenspitze zusammen mit der Brockenantenne. Es war wieder 99 7237, die uns zwei wunderbare Fotos ermöglichte!

99 7239-9 auf der Höhe des Goethewegs vom Brockengipfel aus gesehen.

99 7239-9 auf der Höhe des Goethewegs vom Brockengipfel aus gesehen.

99 7239-9 in der Brockenspirale kurz vor dem Brockenbahnhof.

99 7239-9 in der Brockenspirale kurz vor dem Brockenbahnhof.

Super gelaunt machten wir uns auf, die letzten 1,5 km bis zur Brockenspitze zu erwandern. Mein Wunsch für den zweiten Zug war, dass wir wieder zwei Fotos versuchen wollten und zwar eigentlich die beide Fotos mit den Zügen an den gleichen Stellen, nur vom umgekehrten Standpunkt aus: das heisst von der Brockenspitze aus das erste Foto vom Zug im freien Abschnitt des Goethewegs und ein paar Minuten später in der Brockenspirale. Was war das für ein Vergnügen bei diesem Wetter, als wir 99 2739 schwer arbeitend an uns vorbeifahrend fotografieren durften. Die Dampffahnen an diesem Tag waren fantastisch und es war fast windstill am Brocken (das gibt es eigentlich nie…). Nicht zu vergessen, als wir aus den Autos ausstiegen zeigten die Temperaturanzeigen -21° C an.

99 7237-3 kurz nach dem letzten Bahnübergang in der Brockenspirale auf dem Weg zum Brockenbahnhof.

99 7237-3 kurz nach dem letzten Bahnübergang in der Brockenspirale auf dem Weg zum Brockenbahnhof.

Das einzige, was uns an diesem Tag ein klein wenig enttäuschte war, dass nicht ein Sonderzug den Weg zum Brocken fand, aber das ist nur Meckern auf hohem Niveau. Ohne Pause suchten wir nach der nächsten Gelegenheit für eine Fotostelle für den dritten Zug. Die vollkommen vereiste P-Tafel sollte die Kulisse für den Zug mit 99 7237 sein (die Lok, die wir in den zwei Tagen am häufigsten begrüssen durften).

99 7238-1 in der Brockenspirale kurz vor dem letzten Bahnübergang vor dem Zielbahnhof Brocken.

99 7238-1 in der Brockenspirale kurz vor dem letzten Bahnübergang vor dem Zielbahnhof Brocken.

Das Licht wandert immer weiter, deshalb sollte auch für den vierten Brockenzug eine neue Fotostelle her. Über den Heinrich-Heine-Weg hinweg suchten wir eine passende Kulisse. Diesmal sollten einfach die typischen schneebedeckten Bäume unser Motiv sein. Mit einer ins Tal stürzenden Dampfwolke überraschte uns 99 7238.

99 7238-1 im Abendlicht auf dem Weg zum Brocken auf der Höhe Goetheweg.

99 7238-1 im Abendlicht auf dem Weg zum Brocken auf der Höhe Goetheweg.

Für den letzten Zug – den sogenannten Lumpensammler – war noch ein wenig Zeit, so dass wir vorsorglich schon einmal die Rückfahrkarte für die Talfahrt am Bahnhof gelöst hatten und uns im Brockenwirt etwas aufwärmen wollten. Das letzte Foto des Tages ist – wenn es denn klappt – das unter Fotografen schon als Glintschuss benannte Foto, da sich die Sonne golden in der Lok spiegelt und Dampffahne sich rosa im Abendlicht färbt.

Diesmal sollte es tatsächlich klappen! Das ist ein fantastisches Erlebnis, wenn die schwer arbeitende Lok eine vom Abendlicht rötlich gefärbte Dampfwolke in den Himmel zaubert. Mit wunderbaren Erinnerungen an diesen Tag kann man sich dann in den geheizten Zug setzen und gemütlich die Fahrt ins Tal geniessen und das taten wir auch…

99 7238-1 mit dem letzten Zug des Tages in der Kurve kurz vor dem Brockenbahnhof im Licht der untergehenden Sonne.

99 7238-1 mit dem letzten Zug des Tages in der Kurve kurz vor dem Brockenbahnhof im Licht der untergehenden Sonne.

Viel zu geniessen gibt es dieses Jahr bei den Harzer Schmalspurbahnen, schliesslich gibt es 125 Jahre Schmalspurbahnen im Harz zu feiern. Alle aktuellen Infos gibt es auf der Webseite der HSB: http://www.hsb-wr.de/.

Unsere Pension in Zorge war übrigens das Hotel Pension Cafe Wolfsbach (http://www.hotel-wolfsbach.de), das wir uneingeschränkt weiterempfehlen können!

 

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